WeMove.EU

Seit wir WeMove vor drei Jahren gestartet haben, hat sich die EU verändert. Früher ist sie uns vor allem als starker Gegner begegnet. Heute ist sie angeschlagen, schwankt, in Uneinigkeit und sucht nach der eigenen Rolle. Wir finden uns dabei wieder, sie zu verteidigen. Und wollen sie weiter verändern. Lesen Sie hier mehr zu unseren Aktivitäten.
C&A will auf Viscose verzichten
Es ist unser Erfolg: C&A will zukünftig Viscose nur noch aus umweltfreundlicher Produktion beziehen. Bis heute haben wir fast 300.000 Unterschriften gesammelt, um Druck auf alle internationalen Textilkonzerne zu machen. Bei C&A öffnete uns das die Türen zur Geschäftsleitung: Sie ließ sich von den guten Argumenten für saubere Produktionsbedingungen überzeugen. Direkt nach dem Gespräch mit den Aktivist/-innen versicherte C&A[1], den Empfehlungen[2] für eine umweltfreundliche Produktion von Viscose folgen zu wollen. Via Facebook verpflichteten sie sich sogar, diese Ziele bis 2020 zu erreichen. Es ist ein neuer Kampagnenerfolg: Nach H&M, Zara, Marks & Spencers und Tesco hat sich der nächste Textilkonzern öffentlich zu mehr Umweltschutz selbstverpflichtet.
Für uns ist das ein weiterer Schritt, um den verheerenden Umweltbelastungen bei der Herstellung von Viscose ein Ende zu machen. In viel zu vielen Fabriken werden die Abwässer ungeklärt in Flüsse abgeleitet. Fische sterben, Menschen werden apathisch und krank. Dabei sollte für alle Hersteller selbstverständlich sein, so nicht zu produzieren.
Wir freuen uns über unseren Erfolg bei C&A. Aber den Worten müssen Taten folgen. Und es gibt weitere Konzerne – wie Primark, Mango und Topshop -, die im Verdacht stehen, von giftiger Herstellung von Viskose zu profitieren. Die Kampagne ist also noch nicht vorbei. Unterzeichnen Sie oder teilen Sie die Kampagne mit Freunden. Zusammen mit unseren Partnern bleiben wir dran und melden uns, wenn wir den Druck wieder erhöhen müssen.
Glyphosat mit einer Klage stoppen
Die Regierung der belgischen Region Brüssel-Hauptstadt klagt gegen die EU-Kommission, weil die den Unkrautvernichter Glyphosat zugelassen hat. Wir wollen uns dieser Klage[3] als Bürgerbewegung anschließen und haben zusammen mit unseren Partnern [4] einen Anwalt beauftragt. Wir selbst wären zwar nicht Kläger, aber doch sogenannter Streithelfer an der Seite der Klägerin. Unser Anwalt wird jetzt alle notwendigen Dokumente vorbereiten. Viele Argumente liegen uns noch von unserer erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative vom vergangenen Jahr vor. Anderes muss neu recherchiert werden.
All das ist nur möglich, weil so viele von uns dem Spendenaufruf von vor vier Wochen gefolgt sind. 20.000 Euro soll allein die Vorbereitung der Klage kosten. Geld, das wir mit unseren Partnern aufbringen müssen. Deshalb haben wir uns sehr gefreut, dass unser Spendenaufruf das Geld für die ersten Schritte in wenigen Tagen mobilisieren konnte.
Bis Ende Juli müssen alle Unterlagen fertig sein und wir treten der Klage als Streithelfer bei. Dann müssen wir abwarten, ob uns das Gericht akzeptiert. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Europawahl ist Schicksalswahl
Wir erleben derzeit, wie zerbrechlich eine Institution wie die Europäische Union sein kann. Seit Jahren verfolgt die extreme Rechte in Europa das Ziel, die Nationalstaaten wieder zum Zentrum der Politik zu machen. Dabei werden sie immer erfolgreicher – aber wir sehen zugleich auch, wie absurd die Vorstellungen eines Horst Seehofer sind. Wer Menschen an der eigenen Grenze abweist, bekommt ein Problem mit seinen Nachbarn. Flucht und Migration sind Herausforderungen, die nur auf europäischer Ebene gemeistert werden können.
So gefährdet die EU manchmal wirken mag: Sie beweist auch immer wieder, wie viel Gestaltungsmacht sie in unseren Gesellschaften hat. Die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zum Beispiel: Mit viel zu viel falsch gezahlten Subventionen fördert sie eine industrielle Landwirtschaft, die auf Pestizide und Monokulturen setzt. Die Folge: 75 Prozent der Fluginsekten sind in den vergangenen drei Jahrzehnten verschwunden[5]. Auch die Vögel, die von ihnen leben, werden immer weniger.[6]
Beide Themen werden sich zur Europawahl am 26. Mai 2019 zuspitzen. Wer ab Herbst Wahlkampf machen oder für das Parlament kandidieren will, muss sich unseren Fragen zu diesen Themen stellen. Wir haben uns dazu Ende Juni in Rom beraten, und wir haben um Spenden gebeten. Der Erfolg dieses Spendenaufrufs hat uns begeistert und überwältigt: Jeden Monat erhalten wir nun weitere 5.000 Euro regelmäßige Spenden, eine Steigerung um 10 Prozent.
Das ist uns ein Auftrag. Jetzt besprechen wir mit unseren Partnerorganisationen, welchen Ansatz wir im Herbst verfolgen wollen, um die Schicksalswahl für uns zu nutzen.
Wir wurden gehört, uns wurde nicht gefolgt
Wir waren sofort alarmiert, als wir hörten, dass eine halbe Milliarde Euro der EU für neue Rüstungsforschung ausgegeben werden soll. Zusammen mit unseren Partnern haben wir in den vergangenen zwei Jahren alle Register gezogen:
143.328 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa fordern, das Geld in zivile Konfliktaustragung zu stecken statt in neue Waffen.
Mehr als 4.000 von uns beteiligten sich online am Beratungsverfahren der Europäischen Kommission. Wir haben so unsere Argumente direkt in die Beratungen eingebracht.
Aktivist/-innen vom European Network Against Arms Trade (ENAAT) und WeMove trafen Anfang 2018 den Stab der EU-Außenbeauftragten Mogherini, sowie führende EU-Parlamentsabgeordnete wenige Tage vor einer wichtigen Ausschusssitzung.
Kurz vor der entscheidenden Abstimmung erhielten alle Abgeordneten im Europaparlament einen offenen Brief mit unseren Argumenten.
Leider entschied die Mehrheit im Parlament, das Geld in Rüstung zu investieren und nicht in den Aufbau ziviler Konfliktlösungen. Auch wenn wir mit dieser Kampagne nicht erreicht haben, was wir uns erhofften, verfolgen wir die Entwicklungen weiter. Und wir werden wieder aktiv, wenn wir eine Chance für uns sehen.
Das neue Datenschutzrecht und eine Folge
Die Datenschutz-Grundverordnung gehört sicher zu den Regeln der EU, die wir begrüßen: Unser aller Daten sind europaweit besser geschützt. Die neue Regel erfordert aber auch, dass wir nur diejenigen mit Informationen versorgen dürfen, die uns das ausdrücklich bestätigt haben.
Unser Technik-Team hat alle unsere Daten sehr sorgfältig geprüft: Bei der Mehrzahl von Leuten in unserer Datenbank haben wir die ausdrückliche Zustimmung bereits und können dies nachweisen. Wir waren da dem Gesetz bereits voraus. Bei einem kleineren Teil lag die Zustimmung allerdings nicht ausdrücklich genug vor. Diese Personen haben wir angeschrieben, viele haben ihre Zustimmung nachträglich erteilt. Aber mehr als 200.000 taten das leider nicht, so dass wir die Anzahl der in WeMove vereinigten Bürgerinnen und Bürger Europas von rund 940.000 auf aktuell 708.855 korrigieren mussten.
Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich für Ihr Interesse. Unsere Bewegung wird stark aus dem Engagement vieler Einzelner. Jede Unterschrift zählt und jede Spende ist wichtig. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie WeMove mit einer monatlichen Spende von 8, 15 oder 30 Euro unterstützen. Sie macht es möglich, dass wir Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit vorschlagen können. Gemeinsam zeigen wir Haltung – das ist wichtiger denn je.
Wir grüßen aus vielen Ecken Europas
Jörg Rohwedder (Lübeck)
Virginia López Calvo (Madrid)
Olga Vuković (Bologna)
Mika Leandro (Bordeaux)
David Schwartz (Brüssel)
für das gesamte WeMove.EU-Team – WeMove.EU
Referenzen:
[1] http://sustainability.c-and-a.com/sustainable-products/sustainable-materials/other-raw-materials/preferred-man-made-cellulosics/
[2] http://changingmarkets.org/wp-content/uploads/2018/03/Roadmap-towards-responsible-viscose-and-modal-fibre-manufacturing.pdf
[3] Die Brüsseler Hauptstadtregion hat beim Europäischen Gerichtshof Beschwerde gegen die EU-Entscheidung zur Neuzulassung von Glyphosat eingereicht. Aus ihrer Sicht war die wissenschaftliche Bewertung der Gesundheits- und Umweltrisiken der Chemikalie nicht ausreichend. Darüber hinaus wurde den Studien der Industrie mehr Gewicht beigemessen als unabhängigen Analysen. Laut Regionalregierung liegen zu wenige Daten vor und dadurch werde gegen das “Vorsorgeprinzip” verstoßen. Genau auf diese Argumente stützte sich auch unsere Europäische Bürgerinitiative.
[4] Pesticide Action Network (PAN) Europe, SumOfUs, Health and Environment Alliance, Corporate Europe Observatory, CEO
[5] http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/insektensterben-75-prozent-weniger-insekten-in-deutschland-15250672.html
[6] http://www.bund-rvso.de/vogelsterben-ursachen.html

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