„In Bayern werden Kreuze nicht abgehängt, sondern aufgehängt!“

CSU-Generalsekretär Markus Blume preschte, seinem Parteiamt und seinem Chef verpflichtet, noch weiter vor und verkündete letztlich noch weiter verklärend und verdrehend, alles Gute käme letztlich aus der Religion und dem Kreuz, wodurch die Nichtgläubigen und Atheisten, aber auch alle Andersgläubigen, zu Bösen werden: „Wer sich zum Kreuz bekennt, wer Kreuze aufhängt, der muss sich nicht dafür rechtfertigen, denn er bekennt sich gerade zu den notwendigen Wertegrundlagen unserer offenen Gesellschaft und liberalen Demokratie. Wer Kreuze abnimmt, der hängt Menschenwürde ab und Intoleranz auf.“ Und wehe, wer keine neuen Kreuze sehen will: „Bei den Kritikern haben wir es mit einer unheiligen Allianz von Religionsfeinden und Selbstverleugnern zu tun.“ Wird jetzt die CSU mit der Missionierung im Bayern beginnen? … Da Bayern, selbst wenn es nie dem Grundgesetz zugestimmt hat, aber doch ein Bundesstaat ist, in dem Kirche und Staat getrennt sein sollen, muss das religiöse Symbol dann als „Bekenntnis zur kulturellen Identität“ dienen … So sollen auch Toleranz, Nächstenliebe, Respekt und Menschenwürde auf der „christlich-abendländischen Idee, geprägt von jüdischen und humanistischen Wurzeln“, basieren, woraus man schließen muss, dass es ohne Christentum, mit dem auch Heiden niedergemetzelt wurden, eben diese Werte nicht gibt. So schön waren Religions- und Kirchengeschichte noch nie … Zudem steht das Kreuz auch für eine Märtyrer-massenbewegung, Endzeiterwartungen, Rassismus und Kreuzzüge, für viele Kriege, Sklaverei, Kolonialismus, machtstrategische Spiele und Repressionen, für vorherrschenden Antisemitismus, Zensur, autoritäre Herrschaft und brutale Verfolgung von Andersdenkenden. Und nicht zuletzt für die Dominanz der Männerherrschaft, früher exekutiert durch die Hexenverfolgung, aber selbst nach der Abspaltung durch Luthers Reformation noch bis zur Gegenwart von der katholischen Kirche weiter verteidigt … Wir sollten kultursensibler sein, das heißt sensibel für die eigene Kultur … Wenn es um Sicherheit, Recht und Ordnung geht, stehen wir für einen starken Staat. Es ist gut, dass die CSU mit dem Bundesinnen-, -heimat und Bauministerium ein absolutes Schlüsselressort besetzt“, so der Generalsekretär.
Quellen: https://www.csu.de/aktuell/meldungen/april-2018/das-kreuz-ist-mehr/ und https://www.heise.de/tp/features/In-Bayern-werden-Kreuze-nicht-abgehaengt-sondern-aufgehaengt-4037312.html
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU): „… das Kreuz … gehört … zu den »Grundfesten des Staates“.
Der Protest gegen das neue Polizeigesetz (PAG) der CSU-Staatsregierung erfasst ganz Bayern. In Nürnberg und Würzburg waren am vergangenen Wochenende jeweils mehr als 5.000 Menschen auf der Straße. Auch in Regensburg, München und Augsburg wurde mehrfach demonstriert. Bereits jetzt sind Proteste in mindestens zehn Städten geplant, darunter in Augsburg, Hof, Landshut und Kempten. Tausende werden am 10. Mai mit einer Großkundgebung auf dem Münchner Marienplatz gegen das Gesetz demonstrieren.
Wie damals und heute unser politisches Bewusstsein manipuliert wird: Leben wir in einer Gesellschaft ohne Opposition? Kritische Psychologen debattieren Anfang März auf einem Kongress in Berlin diese Fragestellung, die bereits der Philosoph Herbert Marcuse 1964 aufgeworfen hatte. Die jährliche Tagung der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) wurde dabei im Vorfeld mit Antisemitismusvorwürfen attackiert. So inhaltlich konstruiert diese Vorwürfe auch sind, so machten sie doch deutlich, mit welchen Methoden heutige Opposition geschwächt werden soll. – Bericht: https://www.rubikon.news/artikel/mut-tut-gut – Demokratie gab‘s (fast) nie. Es gab nie in der Geschichte der Bundesrepublik einen fairen Wettbewerb zwischen rechts und links. Und heute schon gar nicht. – Bericht: https://www.nachdenkseiten.de/?p=43701
„In Deutschland stilisiert sich Markus Söder bayrisch-standhaft: weiße Kniestrümpfe, Lederhose und den Pinsel am Hut. Wenn die Wähler sich so einen regionalen Oberdeppen leisten wollen – bitte schön. Aber dann können sie auch Frauke Petry mit dem Baby auf dem Arm wählen. Vielleicht kriegen sie zur Belohnung das Mutterkreuz wieder.“ – Henning Venske, Kabarettist

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